Paragraph 89 VAG Versicherungsaufsichtsgesetz

Der deutsche Bürger besitzt im Schnitt 1,2 Lebensversicherungen. Dies zeigt zwar, dass uns die Sicherheit sehr am Herzen liegt, aber auch, dass wir offensichtlich nicht über alle Risiken ausreichend informiert wurden. Stellen Sie sich vor, das Versicherungsinstitut wird insolvent, der Wert Ihrer Police sinkt gegen null – aber Sie müssen immer noch die Beiträge dafür bezahlen. „Das ist unmöglich, das wäre ja Enteignung!“ denken Sie? Nein, ist es leider nicht, denn im VAG – das ist die Abkürzung für „Versicherungsaufsichtsgesetz“ – ist genau das geregelt.

Als leidgeprüfter Anleger sind Sie es ja fast schon gewohnt, dass Anlageprodukte nicht immer die vorhergesagte Rendite bringen, da das Umfeld am Finanzmarkt derzeit äußerst schwierig ist. Immer wieder ist dies der Anlass dafür, die Lebensversicherung zu kündigen oder die Lebensversicherung zu verkaufen.

Leider – und das ist nicht bloße Schwarzmalerei – ist auch der Totalverlust durchaus möglich, und in der Vergangenheit kam es schon mehrfach zu diesem unerfreulichen Ereignis. Denken wir nur einige Jahrzehnte an die Währungsreformen von 1924 und von 1948 zurück.

Und aktuell befindet sich die Lebensversicherungsbranche in einer äußerst schwierigen Lage. Denn die Analysten der MainFirst Bank AG prognostizieren den Versicherungsgesellschaften zukünftig längere Perioden mit roten Zahlen in den Bilanzen. Der erforderliche Kapitalisierungsbedarf aufgrund des – dank des EZB finanzierten – Niedrigzinsumfeldes und der aktuellen gesetzlichen Anforderungen wird nachhaltig wachsen.

Die abgegebenen Garantiezusagen der Gesellschaften gegenüber Versicherungsnehmern erfordern die Erwirtschaftung hoher Renditen, die am derzeitigen Markt mit sicheren Kapitalanlagen nicht erzielbar sind. Damit sind Verluste bis in das Jahr 2025 vorprogrammiert.

Bei einem durchschnittlichen Anlagezinssatz von 2,00 Prozent benötigen die Gesellschaften bis 2035 rund 4 Mrd. Euro. Bei 1,75 Prozent sind es bereits 10 Mrd. Euro und bei 1,50 Prozent sind es 25 Mrd. Euro. Nur nebenbei bemerkt, befindet sich die Umlaufrendite, also die durchschnittliche Rendite aller ausgegebenen deutschen Staatstitel derzeit bei 0,15 Prozent. Mit diesen Wertpapieren eine vernünftige Rendite zu erwirtschaften ist unmöglich.

Damit drohen weitere Verluste für die Anleger und die Inhaber von Lebens- und Rentenversicherungen.

Oder blicken wir nach Zypern: Dort mussten die Verbraucher einem Kapitalschnitt zustimmen, da die Banken aus eigener Kraft nicht mehr lebensfähig waren. Das bedeutet, dass jeder Anleger Geld verloren hat. Auch den deutschen Banken kann – theoretisch – dieses Schicksal blühen, die Enteignung ist also durchaus real und allgegenwärtig. Erst vor wenigen Tagen gingen die Meldungen über den letzten Bankenstresstest durch die Medien. Einige Kandidaten sind glatt durchgefallen, bei anderen war der Ausgang denkbar knapp. Wäre aber in der Testsituation auch nur ein einziger Parameter geändert worden, so wäre das Ergebnis noch viel verheerender ausgefallen.
Doch nun zurück zum eigentlichen Thema – es geht um die Kapitalsicherheit von Lebensversicherungen und auch darum, ob es besser sein kann, Lebensversicherungen zu verkaufen oder Lebensversicherungen zu kündigen. Falls Sie einen Lebensversicherungsvertrag unterschrieben haben, so haben Sie auch gleichzeitig der Anwendung des § 89 VAG zugestimmt. Das bedeutet, dass Sie im Extremfall Prämien bezahlen müssen, von denen Sie nichts mehr haben werden. Das kann dazu führen, dass es Ihnen möglicherweise die Erfüllung lang gehegter Wünsche nicht möglich sein wird. Der Hintergrund dieses Paragrafen zur Enteignung liegt zwar in der Insolvenzprophylaxe und dem Schutz des Gesamtsystems, dennoch können die Auswirkungen für den Einzelnen mehr als deutlich spürbar werden.

Vor dem Verkauf: Beratung

Wir würde Ihnen aber empfehlen, jetzt nicht in Panik zu verfallen und sofort alle Lebensversicherungen zu verkaufen. Sprechen Sie vorher mit unseren Spezialisten vom RVF Ratgeber für Vermögensfragen e.V.

Diese überprüfen Ihre laufenden Verträge und unterbreiten Ihnen Vorschläge, wie Sie Ihr finanzielle Zukunft besser und sicherer gestalten können und ob es ratsam wäre, die Lebensversicherung zu kündigen oder nicht! Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns anrufen, um einen Termin zu vereinbaren.

Jetzt Sachverständigen einschalten!