Editorial des Vorstands Manfred Maderholz

Sehr geehrte Verbraucher,

wieso gibt es überhaupt den Verein RVF Ratgeber für Vermögensfragen e.V.?

Im Laufe der vergangenen 25 Jahre haben wir – die Gründungsmitglieder des RVF Ratgeber für Vermögensfragen e.V. – in dem guten Glauben, dass unser Finanzsystem auf sicheren Beinen steht, unser Geschäft betrieben und zusammen mit unseren Kunden vorrangig Lebensversicherungsprodukte von unterschiedlichsten Gesellschaften gezeichnet. Entscheidungsgrundlage war immer die gute Bonität einer Gesellschaft sowie das hinterlegte Garantiekonzept. In den letzten Jahren sind dann die ersten Versicherungsverträge regulär ausgelaufen und die Auszahlungen sind deutlich von den ursprünglichen Versprechungen der Gesellschaften abgewichen. Leider war dies nicht nur vereinzelt der Fall, sondern gängige Praxis. So sind zwischen EUR 3.500 bei kleineren Verträgen, bis hin zu EUR 230.000 bei großen Verträgen weniger ausbezahlt worden, als versprochen. So halten sich die Gesellschaften in vielen Fällen praktisch fast nur an die Rückzahlung der eingezahlten Beiträge und die Zahlung des Garantiezinssatzes.

Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen sieht es meist noch viel schlechter aus.

Sowohl das aktuelle Niedrigzinsumfeld als auch die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen, denen sich der Verbraucher gegenübersieht, sind kaum mehr kalkulierbar. Die Gesellschaften haben große Probleme die Zusagen der Vergangenheit einzuhalten. So sinkt nicht nur der Garantiezinssatz ab dem 01.01.2015 auf 1,25% im Jahr, die Lebensversicherer passen auch die Beteiligung an den Überschüssen deutlich nach unten an. Und den Zins erhält der Versicherungsnehmer nur auf den Sparbeitrag, also auf rund 50-70% Prozent der monatlichen Sparrate. So sinkt der Zinssatz deutlich auf zwischen 0,625 bis 0,875 Prozent. Hinzu kommt, dass der Gesetzgeber plant, die Überschüsse an Unternehmen im Markt „auszuleihen“ und arbeiten zu lassen. So gelten die ursprünglichen Zusagen, die dem Kunden gegenüber getätigt wurden keineswegs mehr.

Das System steht buchstäblich auf wackligen Füßen. Und die Versprechungen, die die Gesellschaften vor Jahren gemacht haben, sind kaum mehr zu halten. Es stellt sich also die Frage, wie die Ergebnisse der heutigen Versprechungen in 15, 20 oder 25 Jahren aussehen.

Gleichzeitig haben wir in den vergangenen Jahrzehnten viele Kontakte in den Gesellschaften aufgebaut, die uns einen kleinen Einblick in das Investitionsklima der Lebensversicherer geben. Nach wie vor wird eine immense Geldverschwendung in unterschiedlichen Bereichen betrieben, deren Zeche immer der Versicherungsnehmer bezahlt.

Unterdessen lassen sich die Versicherer auch nicht in die Karten schauen. Der Kunde hat mehr oder minder eine Black-Box und keinerlei Einfluss auf seinen Vertrag. So braucht man heute rund zehn oder fünfzehn Jahre, bis man überhaupt eine Rendite in einem Lebensversicherungsvertrag sieht – in vielen vorliegenden Fällen wesentlich länger. Wenn jemand in den späten 90er Jahren eine langfristige Lebensversicherung, vielleicht bis ins Jahr 2020 oder 2025, mit der Absicht einer Absicherung der Rente abgeschlossen hat und einiges einzahlt, und jetzt die aktuellen Zahlen mit denen vergleicht, die damals zum Abschluss geführt haben, dann sieht er schwarz auf weiß, dass ihm Kapital im Wert einer kleinen Eigentumswohnung fehlt.

Und nun verkaufen die Lebensversicherer die Policen ihrer Kunden an Dritte, die dann den Bestand managen. Das heißt, sie klassifizieren und bündeln die Verträge in Pakete und verkaufen diese dann weiter an andere Dritte. So begann die Finanzkrise in 2007/2008. Banken haben damals das gleiche mit Hypotheken gemacht – so lange, bis die Verträge keinen Ertrag mehr gebracht haben und den Banken um die Ohren geflogen sind. Das System lässt sich damit nicht verändern, doch jeder Einzelne kann von diesen Informationen profitieren und seine eigene finanzielle Zukunft formen.

Wir haben mit einem kleinen Team von Sachverständigen gestartet, die ebenfalls von unserer Philosophie überzeugt sind und haben uns die Aufgabe gestellt, den Verbraucher neutral über seine Verträge zu informieren. Dabei stellt jeder Sachverständige seine Zeit ehrenamtlich für den Verein zur Verfügung. In aller Regel sind das 20-25 Stunden im Monat. Dies tun die Sachverständigen, weil sie davon überzeugt sind, dass wir als Gemeinschaft – Sachverständige und Verbraucher – viel bewegen können, wenn jeder Verbraucher weiß, was sich in seinen Verträgen verbirgt!

Information ist alles! Wir verhelfen Ihnen zu Ihrem Recht!

Ihr Manfred Maderholz
RVF Ratgeber für Vermögensfragen e.V.
Vorstand